05.11.2022

Derek Jarman – Chroma

Von
Theorie

‍ „Chroma – Ein Buch der Farben“ des britischen Künstlers und Regisseurs Derek Jarman ist 1995 beim Merve Verlag in Berlin erschienen. Das Buch ist zugleich Abschiedsbrief und Vermächtnis des Künstlers, der für Filme wie „Caravaggio“ „The Angelic Conversation“ „Wittgenstein“ und “The Tempest” bekannt ist.

“Chroma” ist ein wildes Buch, eine leidenschaftliche, schriftstellerische Hommage an die Substanz des eigenen künstlerischen Schaffens. Farbe ist Jarmans Lebenselixier. „Chroma“ ist eine geistreiche Collage aus philosophischen, kunsthistorischen und lyrischen Texten zum Phänomenfeld der Farben. Hier trifft sich Aristoteles mit Wittgenstein, Goethe mit Newton, mittelalterliche Alchemisten plaudern mit den Renaissancekünstlern Michelangelo, Alberti und Da Vinci. Immer wieder kommen die Dichter zu Wort: Alan Ginsberg, Ezra Pound, TS Eliot, William Blake. Jarman selbst wechselt spielend zwischen Prosa und Lyrik, autobiographischen Einschüben und künstlerischen Anekdoten.

Zu verschiedenen Grundfarben schreibt Jarman assoziativ und witzig, was ihm gerade dazu in den Sinn kommt. Besonders der emotionale Gehalt, das affektive Erlebnis der Farbe interessiert ihn dabei. Ihn beschäftigt, was Farben mit uns machen, was Sie in uns auslösen. Es geht um Weiß und Schwarz, Licht und Schatten, für Jarman die „Königin“ der Farben. Jarman spricht über das „Rotsehen“, Rot, „die Tochter der Aggression“. Witzig verhilft Jarman der Farbe Braun zu ihrem Recht. Gelb wird rehabilitiert, Orange eingeordnet, Purpur reicht von Rosa bis Mauve, dem kühlen Blau widmet er ein langes Kapitel:

„Blau schützt Weiß vor der Unschuld Blau hat Schwarz im Schlepptau Blau ist sichtbar gemachte Dunkelheit“ (Seite 149)

Bis hin zum Schwarz, das dieses Buch (fast) abschließt:

„Ist Schwarz hoffnungslos? Hat nicht jede düstere Gewitterwolke einen silbernen Saum? Im Schwarz liegt die Möglichkeit zur Hoffnung.“ (Seite 179)

So folgen noch drei kurze Betrachtungen über Silber und Gold, über schillerndes im Allgemeinen und über Transparenz im Besonderen. Funkelnd endet damit der Text.

‍ „Chroma“ ist wie ein Journal aus den letzten Tagen des Künstlers, der HIV-positiv mit seiner AIDS-Erkrankung kämpft, der er am Ende erliegt. Kurz vor seinem Tod erscheint „Chroma“ in London.