04.12.2021

Sanzo Wada – A Dictionary of Color Combinations

Von
Theorie

„A Dictionary of Color Combinations“ ist ein von Seigensha Art Publishing Inc., Kyoto, 2010 herausgegebenes Reprint des „Haishoku Soukan“ von Sanzo Wada (im Original zwischen 1933 und 34 in sechs Bänden erschienen). 

Um es vorweg zu nehmen: der Text ist nur japanisch. Entgegen der Suggestion des Titels, gibt es keine englische Übersetzung. Was zunächst als Enttäuschung erscheint, erweist sich im Nachhinein vielleicht als Segen. Ohne theoretisches Beiwerk kann man sich voll auf die gegebenen Farbkombinationen konzentrieren. Diese werden in drei Gruppen gegeben, die man als Zwei-, Drei- und Vierklang bezeichnen könnte. Das ist es auch schon, eine Zusammenstellung von Farbklängen aus 159 verschiedenen Farben auf weißem Hintergrund. Es sind insgesamt 348 Farbakkorde, die hier gegeben werden. Die letzten paar Seiten des Bändchens enthalten vorgefertigte Farbblättchen, die man sich ausschneiden kann, um sich so einen eigenen „Farbfächer“ zu dem hier gelieferten System zu basteln. Eigentlich eine ganz witzige Idee!

Die Kombinationen atmen etwas den Zeitgeist der 20er und 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sie erinnern mich sehr an die Farbgestaltung der privaten Räume der Villa Müller in Prag, von Adolf Loos. Hier finden sich ganz ähnliche Farben und Farbkombinationen. Zu lernen gibt es hier also nichts, allerdings viel zu entdecken. Was man sehr schön beobachten kann, ist, wie sich ein und dieselbe Farbe in verschiedenen Kombinationen völlig unterschiedlich zeigt. Mein persönliches Aha-Erlebnis: auf Seite 78 gibt es einen Zweiklang aus einem matten Schwarz-violett und Antwerpisch-Blau. Je nach Licht bringt das dumpfe Schwarz das daneben stehende Blau in einer unglaublichen Tiefe zum Leuchten. Ich habe das ganze Büchlein durchgesehen, in keiner anderen Kombination kommt dasselbe Blau wieder so zur Erscheinung. Hier bewahrheitet sich der Satz von Josef Albers: „Color is the most relative Medium in art.“ Will sagen: Farben erscheinen, je nach Kontext immer anders. Das zeigt das vorliegende Büchlein auf eindrückliche Weise.