23.10.2021

Cathelijne Nuijsink – How to make a Japanese House

Von
Praxis

„How to make a Japanese House“ von Cathelijne Nuijsink ist 2012 im Verlag nai010 in Rotterdam erschienen. Hier besprochen die 4. Auflage. Eingeleitet wird der Band durch ein Vorwort von Taro Igarashi. Es handelt sich um eine Anthologie, die 21 zeitgenössische japanische Wohnbauten in einem Band versammelt. Die Werke werden nach Architektengenerationen geordnet, 1950, 1960 und 1970. Gemeint ist das ungefähre Baujahr der Architekten. Jedes Projekt wird von einem Interview mit dem Planer begleitet. Abgerundet wird das Ganze durch fünf Essays zum Thema Haus/Wohnen.

Deutlich liegt der Fokus bei diesem Buch auf dem Text, respektive auf den Interviews mit den Planern, was für eine Publikation über Architektur eher ungewöhnlich ist. Das erklärt sich vermutlich aus dem akademischen Werdegang der Autorin – selbst promovierte Japanologin und Architektin. Die grafischen Darstellungen der Projekte sind ungenügend – die Kehrseite der Medaille. Oft wird nur ein exemplarischer Grundriss der Bauten gegeben, die Schnittlinien sind nicht eingezeichnet und so fort. Das ist für Architekten, die die räumlichen Zusammenhänge der Entwürfe wirklich verstehen wollen, recht ärgerlich. Wenn das der Preis dafür ist, dass die Urheber der Bauten umso ausführlicher zu Wort kommen, dann muss man sich fragen, ob dieser nicht zu hoch ist. Hinzu kommt, dass wertvoller Raum für fettgedruckte, nichtssagende Zitate der Protogonisten verschwendet wird. Auch die zwischengeschalteten, kleinen Essays – Monologe genannt – tragen keine neuen Erkenntnisse zum Diskurs bei.

Die Interviews selbst sind nicht von besonderem Tiefgang. Es werden den wechselnden Protagonisten immer die gleichen Fragen vorgelegt und man gewinnt den Eindruck, dass diese Fragen auch immer ähnlich beantwortet werden. Das ist erstaunlich, denn die Entwurfsansätze sind zumindest in ihrer Materialisierung doch recht heterogen. Man kann also feststellen, dass der architektonische Diskurs in Japan – folgt man der Zusammenstellung von Cathelijne Nuijsink – in seinen Analysen recht eintönig zu sein scheint. Die Konkurrenz der Architekten untereinander lässt dagegen formal unterschiedliche Lösungen für ähnliche Probleme entstehen.

Ich habe das Gefühl, dass sich das Gespräch über Architektur hier im Kreis dreht, obwohl sich die japanischen Architekten, weltweit gesehen, entwerferisch auf dem aller höchsten Niveau bewegen. Ich frage mich, woran das liegt. Es scheinen allgemein die philosophischen und soziologischen Grundlagen zu fehlen, auf denen eine sinnvolle Debatte über Architektur aufbauen kann. Im Grunde zeigt das Buch nur diesen Mangel und liefert ansonsten wenig Neues, beziehungsweise nichts, was andere Darstellungen des zeitgenössischen japanischen Wohnungsbaus nicht besser wiedergeben.