20.08.2021

Rudolf Arnheim – Toward a Psychology of Art

Von
Theorie

“Toward a Psychology of Art. Collected Essays” von Rudolf Arnheim ist 1969 bei der University of California Press (Berkeley, Los Angeles, London) erschienen. Ich bespreche hier die Ausgabe “45th anniversary edition” – vermutlich 2014 erschienen.

Es handelt sich um eine Sammlung verschiedener Vorträge und Aufsätze, die Arnheim im Laufe seiner Lehrtätigkeit zu den Verschiedensten Anlässen gehalten und publiziert hat. Der Sammelband gibt einen guten Überblick über Arnheims Forschung. Mehr als ein Überblick ist es allerdings auch nicht. Die Beiträge sind in sechs Gruppen geordnet: Keynotes; The Sense of Sight; The Visible World; Symbols; Generalities; To Teachers and Artists.

Mir sind die folgenden Aufsätze besonders aufgefallen: In Gruppe II gibt es einen sehr lesenswerten Beitrag zum Thema Proportion („A Review of Proportion“, Seite 102). Hier wird Proportion als eine Form der Stimmigkeit gefasst. Der Aufsatz widmet sich außerdem einer ausführlichen, kritischen Diskussion des von LeCorbusier entwickelten Modulor-Systems. In Gruppe III findet sich ein Aufsatz zum Verhältnis von Funktion und Ausdruck in Design und Architektur („From Function to Expression“, Seite 192). Hier argumentiert Arnheim für den ästhetischen „Mehrwert“. Wenn zwei Objekte in ihrem Gebrauch gleich gut funktionieren, ist dann nicht das ansprechendere der beiden auch das bessere? Kann man die ästhetische Wirkung eines Artefakts überhaupt sinnvoll von seiner Funktion trennen, wenn jede Form, jede Farbe, jeder Raum oder jede Gestalt notwendig eine bestimmte Wirkung ausüben? Ausdruck – als ästhetische Wirkung verstanden – ist damit eine „objektive“ Eigenschaft aller Dinge. Man begibt sich in ein gefährliches Fahrwasser, wenn man das außer Acht lässt. In „Emotions and Feeling in Psychology and Art“ (Gruppe V, Seite 302) unterzieht Arnheim den Begriff der Emotion einer kritischen Revision, indem er die gängige Kategorisierung der psychischen Phänomene in die Schubfächer Kognition, Motivation und Emotion ablehnt und aufzeigt, dass jedes psychologische Erlebnis sich im Zusammenspiel dieser drei Kraftfelder bewegt. Weiter bestimmt Arnheim die ästhetische Wahrnehmung als ein Gefühl für Stimmigkeit, beziehungsweise für Unstimmigkeit, wobei er das Kunstwerk als dynamisches Zusammenspiel verschiedenster Wirkungsweisen versteht. In der Folge kritisiert Arnheim Susann Langers Schrift „Feeling and Form“, in der sie die These vertritt, dass Kunstwerke keine „echten“ Gefühle transportieren, sondern nur die „Ideen“ von Gefühlen. Arnheim befindet sich, wie man sieht, im Zentrum der Debatten unserer Zeit, die bis heute für die Kunsttheorie maßgebend bleiben.

Wer an einer Einführung in Arnheims Denken und / oder einer Einführung in die Psychologie der Kunst interessiert ist, der wird mit diesem Band gut bedient sein. Für einen tieferen Einstieg in die Materie sei hier auf Arnheims „Art and Visual Perception“ verwiesen, dass sich dem Thema einer Psychologie der Bildenden Künste (Visual Arts) umfassender widmet.